Evaluationsbasierte Schulaufsicht im Kanton Glarus

Stand März 2017


Einbettung bzw. politische / gesetzliche Grundlagen
Die evaluationsbasierte Schulaufsicht erfüllt gleichzeitig eine Entwicklungs- und eine Rechenschaftsfunktion. Gegenüber der einzelnen Schule steht die Entwicklungsfunktion im Vordergrund, gegenüber Behörden und Öffentlichkeit die Rechenschaftsfunktion. Die Ergebnisse der Evaluationen sind als datengestützte Feedbacks zu verstehen, welche den einzelnen Schulen ermöglichen, Entwicklungen zu planen oder bereits Erreichtes zu sichern. Ausserdem können sie der Schulführung (Schulkommission und Schulleitung) für die Strategieentwicklung dienen.
Die evaluationsbasierte Schulaufsicht stellt ein Element im kantonalen Qualitätskonzept dar und ist im Bildungsgesetz (Art. 80 Abs. 2) verankert. Sie unterstützt und fördert die Qualitätsentwicklung in den Schulen und ermöglicht ein zielorientiertes Controlling durch den Kanton.

Evaluationsmethoden
Dokumentenanalyse
Schulische Dokumente werden im Hinblick auf die Qualitätsmerkmale analysiert und dienen als Grundlage für Interviews oder Ratingkonferenzen.

Interview
In der Vorbereitungsphase der Evaluation hat das Schulteam neu die Möglichkeit mitzubestimmen, ob die Datenerhebung bei der Lehrerschaft mittels Fragebogen und Interviews oder in einer Ratingkonferenz erfolgt. Entscheidet sich das Team für die Interviewvariante, führt das Evaluationsteam während des Evaluationsbesuchs Einzel- und Gruppeninterviews mit Lehr-personen, weiteren Mitarbeitenden, Schülerinnen und Schülern sowie den Mitgliedern der Schulleitung und der Schulkommission durch. Die Interviews werden entlang eines Leitfadens geführt. Sie beinhalten einerseits offene Fragestellungen. Andererseits werden auch Resultate aus der schriftlichen Vorbefragung zur Diskussion gestellt. Die Gruppeninterviews dauern zwischen 45 und 90 Minuten, die Einzelinterviews zwischen 45 und 75 Minuten.
Ratingkonferenz
In der Ratingkonferenz erhalten die Teilnehmenden einen Kurzfragebogen mit vorgegebenen Aussagen oder Fragen, die sie zuerst individuell einschätzen (Rating). Die Bewertung erfolgt aufgrund einer vorgegebenen Skala. Anschliessend werden die individuellen Bewertungen beispielsweise auf einem Plakat oder einem Flipchart zusammengetragen. In der Folge wird das visualisierte Gesamtergebnis in der Gruppe besprochen und von dieser interpretiert. Beispielsweise werden Auffälligkeiten, Folgerungen und Erläuterungen gesammelt. Dabei geht es nicht darum, eine Einigung zu erzielen, sondern die verschiedenen Meinungen in ihrer Breite zu erfassen.

Beobachtung
Um beispielsweise den Umgang zwischen Lehrpersonen und Lernenden, das Klima in den einzelnen Klassen oder den Umgang mit Heterogenität einschätzen zu können, bilden Unterrichtsbesuche und ein dazugehörendes kurzes Unterrichtsgespräch eine wichtige Quelle für die Beurteilung von Schulqualität. Dabei geht es nicht um eine Individualbeurteilung von Lehrpersonen. Die Resultate aus den Unterrichtsbesuchen werden im Evaluationsbericht anonymisiert.

Fragebogenerhebung
Vor dem Evaluationsbesuch durch das Evaluationsteam werden die Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse, alle Eltern sowie alle Lehrpersonen, falls keine Ratingkonferenz vereinbart wurde, zu zentralen Aspekten der Schule schriftlich oder online befragt. Die Fragen, die den verschiedenen Personengruppen gestellt werden, beziehen sich auf die Beobachtungsschwerpunkte im Referenzrahmen „Schulqualität im Überblick“.
Im Vorfeld der Datenerhebungen vor Ort dienen die quantitativen Resultate dem Evaluationsteam als Indikatoren. Die Resultate zeigen, wo aus Sicht der Befragten mögliche Stärken und Schwächen der Schule liegen. In den Gesprächen und Interviews vor Ort werden ausgewählte quantitative Resultate aus den Vor-befragungen mit den verschiedenen Personengruppen diskutiert und vertieft.

Alle quantitativen Resultate aus den Vorbefragungen werden der Schule im Evaluationsbericht in Form von PDF-Dateien zur Verfügung gestellt. Damit besteht die Möglichkeit, die Qualitätsdiskussionen schulintern auch auf der Basis der quantitativen Grundlagen zu vertiefen und weiterzuführen.
Prozessschritte
Um Schulentwicklungsvorhaben nachhaltig und sinnvoll zu gestalten, müssen diese von den Schulbeteiligten mitgestaltet und mitentwickelt werden.
Das Evaluationsverfahren im Turnus III bezieht die Schulleitung sowie Lehrpersonenvertretungen in Form einer Projektgruppe von Beginn an in den Prozess mit ein. Ziel dieses Einbezugs ist es, das Evaluationsdesign (Methoden, Instrumente, Besuchsplan, Dokumentenanalyse, etc.) möglichst passend auf die Schule auszurichten. Die Schule hat ausserdem die Möglichkeit, mit eigenen Fragestellungen an die Eltern oder Schülerinnen und Schüler zu gelangen. Das Evaluationsteam berät die Schule bei der Entwicklung der Fragestellung und übernimmt die Auswertung der Antworten.
Herzstück des Evaluationsprozesses im Turnus III ist die Auswertungssitzung im Gesamtteam. Anders als noch im Turnus II wird dem Team nicht ein Bericht vorgetragen, sondern die erhobenen Daten und die daraus abgeleiteten Kernaussagen und Empfehlungen werden in einem kommunikativen Prozess unter der Leitung des Evaluationsteams diskutiert und gewichtet. Diese Auseinandersetzung mit den Daten soll der Schule erste Impulse und Hinweise für die Massnahmenplanung geben.

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