Am 21. Mai 2026 fand im Volkshaus Zürich die argev-Netzwerktagung unter dem Titel «Wie gelingen kognitive Aktivierung und soziale Unterstützung im Unterricht?» statt. Bildungsfachleute aus unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlichen Blickwinkeln tauschten sich über diese beiden wesentlichen Merkmale guter Unterrichtsqualität aus – dies auf der Grundlage des Instrumentariums INSULA, in welchem diese beiden Dimensionen enthalten sind.
Bereits in ihren Begrüssungsworten betonte und bestärkte Eva Heer, Vizepräsidentin der argev, die Haltung, dass Unterrichtsqualität nur dann nachhaltig entwickelt werden kann, wenn unterschiedliche Perspektiven miteinander in Dialog treten.
Den Auftakt in den fachlichen Austausch bildete der wissenschaftliche Input von Wida Wemmer-Rogh von der Universität Zürich zum Thema kognitive Aktivierung. Sie zeigte auf, dass es für den gelingenden Unterricht wesentlich sei, am Vorwissen der Lernenden anzuknüpfen. Entscheidend sei deshalb vor allem die Passung. Aufgaben, welche die Schülerinnen und Schüler angemessen fordern, führen in Kombination mit einer aufmerksamen Begleitung schliesslich zur tiefen Verarbeitung der beabsichtigten Inhalte. Wie dies in Unterrichtssituationen konkret beobachtbar ist, konnten die Teilnehmenden anschliessend mit Hilfe eines Videobeispiels gleich selbst erkunden.
Im darauffolgenden Beitrag von Philipp Peter von der Pädagogischen Hochschule Luzern wurde der Blick auf die Ausbildung von Lehrpersonen gerichtet. Ziel sei es insbesondere, zukünftige Lehrerinnen und Lehrer handlungskompetent zu machen und sie darin zu unterstützen, Unterricht differenziert wahrzunehmen. Im Zuge dessen lernen die Studierenden ebenso, in welchen Unterrichtssituationen bestimmte Qualitätsdimensionen besonders gut sichtbar werden und wie sie diese qualitätsfördernden Elemente gezielt einsetzen können.
Den Aspekt der Selbstreflexion griffen auch Olivia Galliker und Monika Elmer auf. Als Schulleiterinnen der Schule Glarus Nord berichteten sie von ihren Erfahrungen, wie ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache von Unterrichtsqualität in Leistungs- und Entwicklungsdialogen zum Schaffen von konkreten Massnahmen beitragen.
Dem Austausch der Teilnehmenden untereinander sowie der Möglichkeit, weitere persönliche Erfahrungen einzubringen, dienten im Speziellen die moderierten Workshops vor dem Mittag. Die Vielfalt der vertretenen Perspektiven in den fünf Gruppen machte diese besonders gewinnbringend und eröffnete neue Blickwinkel auf die Thematik, die beim anschliessenden Mittagessen da und dort noch weiter vertieft wurden.
Zum Start in den Nachmittag richtete sich der Fokus auf die soziale Unterstützung im Unterricht. Prof. Dr. Alexander Wettstein von der Pädagogischen Hochschule Bern strich in diesem Zusammenhang heraus, dass gelingende Beziehungen immer eine gemeinsame Aufgabe von Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern darstellen. Allerdings stehen in Unterrichtssituationen wenige Lehrpersonen vielen Lernenden gegenüber, was für erstere zu einer hohen Interaktionsdichte führe und Beziehungsarbeit anspruchsvoll mache.
Dass diese dennoch gut gelingen könne, zeigten die Schulinspektoren Valerian Schaniel und Philipp Hugentobler anhand konkreter Ergebnisse aus dem Einsatz von INSULA 1.0 bei der Schulbeurteilung- und Förderung im Kanton Graubünden. Deutlich wurde dabei, dass sowohl Selbstwahrnehmung als auch Fremdeinschätzung wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung von qualitativ gutem Unterrichtliefern können.
Komplettiert wurden die Vorträge durch die Einblicke von Eva Aschwanden in die Praxis der Primarstufe Liestal. Als Mitglied der Schulleitung richtete sie den Blick auf die Teamentwicklungsgespräche, welche zu einem tragenden Bestandteil der Qualitätsentwicklung an ihrer Schule wurden. Auch sie bekräftigte, wie eine verbindende Sprache dabei unterstützt, Unterricht und Schule gemeinsam zu verstehen. Dies sei unter Umständen herausfordernd – bilde jedoch die Voraussetzung, dass Probleme und Stolpersteine schliesslich zu Erkenntnissen werden können.
Erkenntnisse beinhaltete auch dieser Tag einige. In den abschliessenden «Take-home Messages» des argev-Vorstands wurden einige davon stellvertretend genannt. Sie drehten sich wiederholt um die Wichtigkeit einer gemeinsamen Sprache, die aber auch Geduld, den guten Willen, Offenheit sowie die Bereitschaft brauche, aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören.
Mit dem Dank dafür, genau dies im Rahmen der Tagung gelebt und umgesetzt zu haben, schlossen Eva Heer und die Tagungsleiterin Martina Butler die Veranstaltung. Nicht alle Teilnehmenden traten jedoch zu diesem Zeitpunkt den Heimweg an. In grösseren und kleineren Gruppen sah man viele noch den frühsommerlichen Nachmittag in Zürich geniessen, und wenn man etwas genauer hinhörte, konnte man erkennen, dass die kognitive Aktivierung und die soziale Unterstützung, zumindest in diesen Kreisen, noch immer nachwirkten.
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